Kloster Gravenhorst: Was sich DA fand

Kloster Gravenhorst stellt für den Kreis Steinfurt ein wichtiges Bodendenkmal dar. Aus diesem Grund waren vor Beginn der umfangreichen Umbaumaßnahmen, die auch intensive Bodeneingriffe beinhalten, archäologische Untersuchungen notwendig geworden.

Die Ausgrabungen begannen 1999 mit archäologischen Untersuchungen im Back- und Brauhaus und der ehemaligen Klosterschmiede. Seit Anfang 2000 wurde der Südflügel und 2002 auch der Westflügel ausgegraben.

Neben der Baugeschichte wurde schwerpunktmäßig die Wasserver- und entsorgung erforscht, da der Zisterzienserorden für seine hohe Wasserbaukunst bekannt ist.

Zusammen mit den 1972/73 in der Klosterkirche durchgeführten Grabungen wird hier das erste Mal ein umfassendes Bild eines kleineren Frauenklosters aus dem Mittelaler gezeichnet.

Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen

Die Grabungen im Südflügel haben schon das Herz manches Archäologen höher schlagen lassen. Zahlreiche freigelegte Fundamente der Vorgängerbauten des 14./15. Jahrhunderts deuten auf unterschiedliche Raumaufteilungen und - nutzungen hin.

Mehrere durch den Südflügel verlaufende Steinkanäle aus Kalksandstein verweisen auf ein ausgeklügeltes System der Ver- und Entsorgung des Brauchwassers. Mit diesen Kanälen wurden das Abwasser und die Abfälle wahrscheinlich über die innere Gräfte und den am Kloster vorbeifließenden Fluss Aa entsorgt. Die Versorgung mit Frischwasser dürfte von kleineren, am Fuß des Teutoburger Waldes entspringenden Quellen erfolgt sein, wovon eine auch heute noch in die innere Gräfte auf der Südseite mündet.

Auch im Westflügel wurden wichtige Funde aufgedeckt, darunter zum Beispiel ein Pflasterboden aus hochkant gestellten Dachziegeln oder ein Brunnen.
An Kleinfunden wurden hauptsächlich Scherben aus dem 13. bis 15.Jahrhundert geborgen, darunter auch Reste eines Kugeltopfes, der inzwischen restauriert wurde. Hervorzuheben sind des weiteren Glasfunde des 17. und 18. Jahrhunderts, die in einer zu einem Abort der ehemaligen Abtei gehörenden Kloake gefunden wurden.

Wegen des hohen Grundwasserspiegels versuchten die Nonnen bei ihren Bautätigkeiten immer das Gelände aufzuschütten, um trockeneren Wohnraum zu gewinnen. Aus diesem Grund haben sich die Funde in Gravenhorst sehr gut erhalten und lassen so differenzierte Aussagen zu.